Suche
  • Nadine Schmid

Du bestimmst welche Richtung dein Leben nimmt


Ja ich strahle. Ich liebe mein Leben, obwohl es nicht immer geradlinig und wie geplant verläuft. Aber sind wir doch mal ehrlich, welches Leben macht das schon. Gut ich hatte sicher nicht damit gerechnet, mit 34 Jahren stolze Rollibesitzerin zu sein, die froh ist, dass Teilzeitarbeiten zumindest noch möglich ist. Geschweige denn, dass ich hier sitzen würde, um anderen Menschen meine Geschichte zu erzählen um etwas Hoffnung und Zuversicht zu teilen. In meiner Vorstellung war eben sowenig enthalten, ständig abzuwägen, was ich meinem Körper sowohl an Essen, Umwelteinflüssen, Aktivität und so weiter zu muten kann. Okay und so Sachen, wie dass einem manchmal nicht mehr das passende Wort oder einem andere Dinge nicht mehr sofort einfallen stand jetzt nicht wirklich auf meiner Liste.


Allerdings einen Mann mit 21 Jahren zu finden, mit 25 Jahren zu heiraten und mit unter 30 Jahren Mutter zu werden, standen ganz oben auf meinem Lebensplan. All diese Glücksmomente meines Lebens zeigen mir, dass alles möglich ist. Ich hatte nicht erwartet, bereits mit 25 Jahren die Chance zu bekommen meine eigene 4 gruppige Kinderkrippe aufzubauen und zu leiten. Wundervolle Menschen als Teamkollegen zu finden und einen Ort zu schaffen, an dem Eltern, Kinder und Mitarbeiter sich wie zu Hause fühlen war ein riesen Geschenk. Als unser kleiner Sonnenschein in unser Leben trat, war das Glück perfekt. Wie ich jetzt weiß, war es ein kleines Wunder, dass ich Mutter eines gesunden kleines Mädchens werden konnte, denn mein MCAS ist wohl Ursache, dass wir keinen zweiten kleinen Menschen in unserm Leben begrüßen durften.


Umso mehr bin ich für das Glück Mama zu sein dankbar. Viele Menschen in meiner Umgebung hatten bedenken, als ich schwanger war. Aussagen, wie „Was wenn das Kind die gleichen gesundheitlichen Probleme bekommt wie du?" brachten mich zum Grübeln, ob ich wirklich das Recht habe zu riskieren, dass dieser kleine Menschen ein Leben mit vielen Einschränkungen führen muss. Ist das gerecht, oder ist es einfach egoistisch? Diese Fragen stellten sich einige in meinem Umfeld, jedoch war für mich klar, man kann nicht immer nur mit dem Kopf und Sachverstand entscheiden. Es gibt Momente, da sollte das Herz sprechen und das hat es. Für meine Tochter. Für einen kleinen Menschen, der so viel Sonnenschein und Liebe in das Leben vieler Menschen zaubert und uns jeden Tag zeigt, wie wundervoll das Leben ist. Es ist ein kleines Wunder, dass mich täglich fordert und unglaublich bereichert und beschenkt. Ich habe die Entscheidung für diesen Sonnenschein nie infrage gestellt und doch kam letzte Woche eine Nachricht, die in mir die Stimme wieder hervorgeholt hat, "war es fair das Risiko einzugehen, dass dieser kleine Mensch eine Krankheit von mir vererbt bekommen kann?"


Nach hartnäckigem Ärztemarathon, einem unglaublich engagiertem Hausarzt und vielen Nerven bekamen wir die Diagnose, dass meine kleine Maus Zöliakie und zudem sehr instabile Füße hat. Hier war er, der Moment, den man nicht haben will. Die Gewissheit, dass ich schon eines meiner Probleme an sie weitergegeben habe. Das ist nicht schön, vor allem, wenn man mit seinem eigenen Zweifel von außen konfrontiert wird. „Sowas will man ja nicht unbedingt weitergeben." Dazu konnte ich nur „JA" sagen. Natürlich ist es richtiger Mist, dass ich es vererbt habe. Ich kann es jedoch nicht ändern und nicht beeinflussen. Was ich kann, ist das beste aus der Situation machen, meine Maus unterstützen damit klar zu kommen und ihr einen Weg zeigen es anzunehmen und einen positiven Umgang damit zu lernen. Ich bin ihr Vorbild. Sie sieht, wie ich damit umgehe und damit mein Leben gestalte. Sie bekommt dies seit dem Tag ihrer Geburt mit und sie macht das super. Sie akzeptiert es, hält sich total selbstverständlich daran und wenn es einen Tiefpunkt gibt, an dem sie damit hadert, hat sie mich und alle die sie lieben, um wieder herauszukommen. Was wäre die Welt ohne sie? Ich würde mich jedes Mal wieder für Kinder entscheiden. Wer weiß, was ihr Weg für sie bereithält, aber sie wird es meistern, mit unserer Unterstützung und Liebe.


Es sind viele Dinge, wie diese, die uns vor Entscheidungen stellen, die unser Leben verändern. Statt sich für Sicherheit und damit für Traurigkeit, Sehnsucht und Dunkelheit zu entscheiden, hörte ich auf mein Herz und bekam hierfür bedingungslose Liebe, Glück, Hoffnung, Freude, Wärme und einen unfassbar kostbaren Schatz - mein Kind - geschenkt. Ich hab entschieden auf mein Herz, statt auf die Vernunft zu hören und so ist es jeden Tag. Ich wähle jeden Tag aufs neue, ob ich die Dinge mit Pessimismus und Angst angehe oder stattdessen mit Zuversicht, Dankbarkeit und Vertrauen.


Egal was ich mache, ich glaube, „dass es am Ende gut wird, denn wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende". Dieser Spruch ist nicht von mir, allerdings trifft er genau den Kern meiner Lebensphilosophie. An das Gute glauben, dankbar sein für jede kleine Geste der Liebe und das Vertrauen darauf, dass alles einen tieferen Sinn hat, selbst wenn man ihn in dem Moment nicht sehen kann, lässt mich ein Leben voller Freude, Zuversicht und Zufriedenheit führen. Anstatt mit mir und meinen Handicaps zu hadern, mich selber zu bemitleiden und mich der Frustration darüber hinzugeben, bin ich dankbar, für alles, was machbar ist, was ich an Freiheit zurückgewinnen kann und die vielen unglaublich tollen Menschen um mich herum, die mich unterstützen.


Ich darf in meiner Arbeit mit einer Lehrerin zusammenarbeiten, die mich so unglaublich liebevoll und herzlich unterstützt, dass ich jeden Abend einfach dankbar dafür bin, sie als festen Bestandteil in meinem Leben zu haben. Die Wertschätzung, die sie mir jeden einzelnen Tag, meiner Person und Arbeit entgegenbringt und ihre so unbeschwerte und vorurteilsfreie Art mit mir und meinen Einschränkungen umzugehen berührt mich immer wieder aufs Neue. Sie unterstützt mich, sucht nach Lösungen, die mir die Arbeit erleichtern und vermittelt mir trotzdem, dass sie mich für wertvoll hält und mich sehr schätzt. Ich danke dir für deine bedingungslose Wertschätzung, Herzlichkeit, Vertrauen und Hilfe. :)


Ein fester Anker für meinen Optimismus und meine positive Einstellung ist meine beste Freundin Ann-Katrin, die mich immer auffängt und wieder aufbaut, wenn ich einen Tiefpunkt habe. Sie ist einfach da, egal wann, egal was ist und egal wofür ich sie brauche. Sie hört zu, sie hat immer die richtigen Worte und ist einfach fester Bestandteil meiner Familie. Du bist die Schwester, die ich mir immer gewünscht habe. Schön, dass es dich gibt und du immer an meiner Seite bist. Mein Familienglück machst du erst rund. Du gehörst nicht nur für mich, sondern für uns alle dazu. Forever!!


49 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen