Suche
  • Nadine Schmid

Leben aus vollem Herzen

Aktualisiert: Sept 8


Vor ca. 10 Jahren habe ich angefangen, mich mit mir und meiner Hochsensibilität zu beschäftigen. Wie man es oft macht, kaufte ich mir ein paar Bücher dazu, recherchierte im Internet und machte immer wieder den Test, ob ich wirklich hochsensibel bin. Das Ergebnis war recht eindeutig. Ja, ich bin hochsensibel.


Jedoch war es für mich sehr schwierig und wenig fassbar, wie ich die damit verbundenen Bedürfnisse in meinem Alltag berücksichtigen sollte. Ich meine, schön zu wissen, dass mein Gehirn mehr Reize aufnimmt und tiefgründiger verarbeitet, aber wie um alles in der Welt soll ich mich vor dem "zu viel" schützen und wie mit meinen Gefühlen, die oft gar nicht nur meine waren, umgehen? Es war am einfachsten, diese Frage und die Problematik zu verdrängen.


Dies funktionierte so lange gut, bis ich meine kleine wundervolle Tochter vor nun fast 7 Jahren zur Welt brachte. Auf einmal war das Thema wieder sehr präsent. Meine Kleine war anders als andere Kinder. Kurzum, es wurde deutlich, dass sie ebenfalls hochsensibel ist.


Als mir Ende letzten Jahres von professioneller Seite bestätigt wurde, dass wir beide definitiv Hochsensible sind, begann ich mich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich konnte es nicht länger ignorieren. Es war klar, dass ich mein Leben, wie ich es führte und wie ich mit mir selber umging, so nicht länger führen kann. Ich bin das Vorbild für meine Tochter und meinen neuen Weg, den ich nun beschreite, gehe ich für sie mit. Ich möchte, dass sie nicht in die Falle der totalen Überreizung und Erschöpfung rutscht. Ich möchte nicht, dass sie so lange über ihre eigenen Grenzen geht, bis ihr Körper ihr die Entscheidung, eine Pause zu machen, abnimmt und ich möchte nicht, dass sie sich selber verliert und nur noch für andere da ist.


Wie ihr euch sicher denken könnt, sind das alles Themen, die mich betreffen. Aufgrund meines CRPS war ich im März so weit, dass ich einfach nicht mehr konnte. Ich merkte, es ist alles zu viel. Ich bekam die Quittung von meinem Körper dafür, dass ich so lange (seit ich Jugendliche bin) immer über meine Grenzen gegangen bin. Er entschied - es ist genug und sorgte dafür, dass ich Ruhe geben musste. Das war für mich der Startschuss eines Lernprozesses, indem ich mich aktuell immer noch befinde.


Ich begann damit, erst einmal wieder wahrzunehmen, wo eigentlich meine Grenzen sind. Wenn man das lange genug unterdrückt, ist es gar nicht so einfach, das wieder zu spüren. Ich führte sehr lange und intensive Gespräche mit meiner Freundin, die mich auf den Weg brachte, mich mit Kathrin Borghoff in Verbindung zu setzen. Sie ist Coach für Hochsensible. Ich nahm seither an jedem Gesprächskreis für Hochsensible teil. Dies war der erste Raum, in dem ich so sein konnte, wie ich wirklich bin. Man brauchte keine glückliche heile Welt vorzuspielen. Man musste sich nicht für seine Emotionen oder seine unzulängliche Abgrenzung rechtfertigen. Ich brauchte keine oberflächlichen Smalltalk-Themen besprechen. Nein - hier ging es allen gleich. In diesem Kreis werden so tiefgründige und intensive Gespräche geführt, wie ich es noch nicht erlebt habe. Man wird aufgefangen und so angenommen, wie man ist. Diese Gespräche sind eine ganz große Ressource für mich.


Ich begann zu verstehen, was es wirklich bedeutet Hochsensibel zu sein. Ich erfuhr von Kathrin, was man als hochsensibler Mensch benötigt und dass es nicht egoistisch ist, gut für sich zu sorgen, sondern im Gegenteil, absolut elementar. Nur wenn es mir gut geht, ich auf mich achte, mir Pausen gönne, meine Bedürfnisse ihren Platz finden, ich lerne mich abzugrenzen und verstehe, dass ich meinen Weg finden muss, kann ich für meine hochsensible Tochter das Vorbild sein, welches sie benötigt.


Dieser Weg ist nicht gerade easy. Dank Kathrin bin ich nun in ihrem Onlinekurs, in dem ich mich mit mir selbst beschäftige. Ich arbeite an meinen negativen Glaubensätzen (und das sind einige) und komme langsam zu der Erkenntnis, dass mein Leben bisher ein Leben voller Erwartungen anderer an mich war. Es war sehr schwer mir einzugestehen, dass all mein Handeln immer darauf ausgerichtet war, was alle anderen von mir erwarten, sei es meine Eltern, mein Mann und Kind, meine Freunde, meine Kollegen, mein Umfeld oder die Gesellschaft. Ich dachte, ich wäre damit glücklich und das gehört sich so. Seit ich aber angefangen habe, meine Geschichte, die ich mitbringe zu akzeptieren, wie sie ist und mir zuzugestehen, mich angreifbar und verletzlich zu zeigen, hat mein Leben eine andere Qualität bekommen. Das Buch "Die Gaben der Unvollkommenheit" von Brené Brown" war unglaublich heilsam. Hier erfuhr ich parallel zu dem Kurs von Kathrin, was es (beruhend auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen) bedeutet "Ein Leben aus vollem Herzen" zu führen. Das war es. Genau das möchte ich in Zukunft tun. Ich möchte alle Emotionen wieder zulassen und spüren, auch wenn es bedeutet sich angreifbar und verletzlich zu zeigen. Auch wenn es heißt, vielleicht nicht mehr allen Normen und Regeln zu entsprechen, die ich bisher für so wichtig gehalten habe. Aber soll ich euch eins sagen - es lohnt sich so sehr.


Ich bin noch lange nicht am Ziel, aber wie ich finde, für mich auf einem guten Weg. Ich habe erkannt, dass Dankbarkeit und Freude zwei elementare Dinge sind. Freude an den gewöhnlichen kleinen Dingen und Dankbarkeit für Dinge, die andere vielleicht als normal ansehen. Seit ich diese Dinge in mein Leben integriere und die Arbeit mit meinem inneren Kritiker und meinen negativen Glaubenssätzen aufgenommen habe, erfüllt mich eine Energie, Zuversicht und Zufriedenheit, wie ich sie schon sehr lange nicht mehr gefühlt habe. Mein neuer positiver Glaubenssatz, der eines Morgens mein erster Gedanke beim Erwachen war, ist mein neues Motto "Ich darf sein, wie ich bin". Mit so viel positiver Energie wie an diesem Tag bin ich schon ewig nicht mehr in den Tag gestartet und es fühlte sich einfach unbeschreiblich toll an. Ich werde diesen Weg weitergehen, für mich und meine Familie. Ein Zurück gibt es nicht mehr.


Ich bin unendlich dankbar für meine beste Freundin Ann-Katrin, die mit mir diesen Weg geht. Sie ist immer und zu jederzeit da und fängt mich in meinen emotionalen Momenten auf. Sie bestärkt mich in meinem Weg und gibt mir so viel Mut und Vertrauen. Ich danke Kathrin Borghoff für diesen unglaublichen Onlinekurs, ihre Unterstützung, ihr Auffangen, ihre Empathie, ihre Energie und all ihr Wissen, dass sie mit uns teilt. Ohne Kathrin wäre ich nicht an dem Punkt, wo ich heute bin. Außerdem danke ich allen hochsensiblen Menschen in unseren Gesprächskreisen und dem Kurs. Es ist so eine Bereicherung euch zu kennen, sich mit euch auszutauschen und auffangen zu lassen. Ihr seid einfach toll!

22 Ansichten
 
  • Instagram
  • Facebook

©2020 Mein Leben mit Hochsensibilität, MCAS und CRPS / Morbus Sudeck. Erstellt mit Wix.com

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now