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  • Nadine Schmid

Mir selbst einen Stellenwert geben

Aktualisiert: Aug 9


Ich war schon immer anders als andere. Warum ich dieses Gefühl tief in mir hatte, wurde mir erst dieses Jahr so richtig bewusst, als ich begann mich intensiv mit meiner Hochsensibilität auseinanderzusetzen. Dies war ein sehr wichtiger erster Schritt zu mir selbst und dem Weg mich so als richtig und wertvoll wahrzunehmen wie ich bin, mit allen Handicaps und Eigenheiten.

Plötzlich erfuhr ich, warum ich so bin, wie ich bin. Es liegt an einer Gabe, die ich von Geburt an mitbekommen habe, ohne Jahre lang zu wissen, dass diese mein Leben zu einem entscheidenden Teil prägt und ihm seine Richtung gibt.


Ich bin Erzieherin geworden, da ich bereits als kleines Kind nichts so sehr wollte, als einmal eigene Kinder zu bekommen. Babys und Kinder auf ihrem Weg zu begleiten, sie beim Wachsen in allen Bereichen zu unterstützen - war mein größter Traum. Als ich während meiner Ausbildung im zweiten Jahr die Chance hatte, in einer Einrichtung mit Kindern zwischen 1 und 6 Jahren zu arbeiten, spürte ich, dass ist mein Weg. In diesem Jahr bekam ich bereits sehr viel Verantwortung übertragen. Ich durfte viele Kinder bei ihrem Weg, weg von zu Hause, hin in eine fremde neue Umgebung, begleiten. Ich konnte mich in die Kinder, die Mütter und alle am Prozess Beteiligten sehr gut einfühlen und deshalb gelang es mir, selbst die schwierigsten Ablöseprozesse gut zu unterstützen und zu meistern.

Diese Empathie, bei der ich dachte, die hätte jeder so stark, ist mein größter Schatz. Sie ermöglichte mir schon immer und besonders im Rahmen meines Berufes, auf die Bedürfnisse anderer einzugehen und sie bestmöglich zu begleiten und zu unterstützen. Sie ist mein Steckenpferd in Umgang mit Kindern, die nicht der "Norm" entsprechen.

Mein Leben war darauf ausgerichtet immer das Beste für alle Menschen in meinem Umfeld, meinen Freunden, meiner Familie und meinem Beruf zu tun. Was mir nicht aufgefallen ist, dass ich mich dabei nicht sah. Es ist doch klar, dass ich allen helfen muss. Es ist selbstverständlich immer und zu jederzeit das zu tun, was andere von mir verlangen und erwarten ohne zu überlegen, ob es vielleicht für mich zu viel sein könnte. Die Bedürfnisse aller hatten einen sehr hohen Stellenwert und diese in meinem Perfektionismus zu erfüllen, war eine große Herausforderung, die ich aber gut meisterte, bis mein Körper mir zeigte, jetzt ist es genug.

Als ich dieses Jahr auf Grund von meinem CRPS im Knie gezwungen war, nicht mehr alles wie gewohnt und in Perfektion zu machen, riss mich das in ein ganz schön tiefes Loch. Es begannen die Selbstzweifel.

Was bist du denn noch für alle anderen Wert, wenn du nicht mehr funktionierst? Wer wird zu dir halten, wenn du nicht mehr alles machen und helfen kannst? Was werden die anderen von dir denken? Halten Sie dich für schwach, gibst du zu schnell auf? Könntest du nicht doch mehr machen (das ist mein Lieblingssatz)? Bin ich egoistisch, wenn ich an meine Grenze komme und dann einfach Arbeiten unerledigt liegen bleiben? Kann ich die Aufgaben anderen überhaupt zumuten? Bin ich eine Belastung?


Das war ein großer Packen an Fragen, die es ging zu bearbeiten. Gott sei Dank, habe ich einen tollen und verständnisvollen Mann, eine wundervolle Tochter, eine super Familie, ein paar echte Freunde und meine beste Freundin Ann-Katrin, die immer zu mir gehalten haben. Sie zeigten und vor allem sagten mir, "es ist okay". Es ist okay nicht mehr alles alleine zu können, es ist okay, jetzt mal auf mich selber zu schauen und es ist okay, seine Grenzen zu spüren und zu wahren.

Ebenso machte ich allerdings die umgekehrte Erfahrung, dass der Kontakt zu anderen Menschen abnahm oder abriss. Die nicht verstanden, dass man nicht immer zu ihnen kommen kann oder sich immer nur ihre Sorgen anhören möchte. Aber wie sagt Ann-Katrin immer, das Leben ist wie ein Bus. Du bist der Fahrer in deinem Bus und es gibt Leute, die kommen neu dazu und fahren mit. Andere Menschen steigen aus deinem Bus wieder aus und ein paar fahren für immer mit. Sie war es auch, die mit mir immer sehr lange Gespräche führte. Sie brachte mich dabei auf das Buch und den Blog von Kathrin Borghoff. Dies veränderte mein Leben.

Ich bekam Antworten auf viele Fragen. Kathrin gründete zu Zeiten von Corona einen Gesprächskreis für Hochsensible, in dem ich mich endlich nicht mehr anders oder falsch fühlte. Ich lernte so viele wundervolle Menschen kennen, denen es genau so ging wie mir. Denen es ebenfalls schwer fällt an sich selbst zu denken, die auch Probleme haben sich abzugrenzen und seine eigenen Grenzen zu wahren, die an sich zweifeln und hinterfragen und anders fühlen. Ich hatte sofort das Gefühl angekommen zu sein. Es haben sich in dem Gesprächskreis so tiefgründige Gespräche ergeben (und ergeben sich noch :) ) wie ich es noch nicht erlebt habe. Ich habe hier Menschen gefunden, die mich verstehen und wo ich einfach ich sein kann. Mädles ich danke euch dafür, dass ihr zu meinen Freundinnen geworden seid.


Kathrin Borghoff ist eine unglaubliche Frau. Sie gibt so viel von sich und schenkt uns damit einen unglaublichen Schatz. Durch ihre Impulse und Bestärkung: An sich selbst zu glauben, sich so anzunehmen wie man ist, mit allen Stärken und Schwächen, sich einen Stellenwert zu geben, sich abzugrenzen und sich verletzlich zu zeigen, bin ich jetzt hier und schreibe meinen Blog. Noch angreifbarer kann man sich nicht machen, aber ich möchte es tun, weil ich zeigen möchte, dass jeder Mensch wertvoll, einzigartig und wunderbar ist. Jeder ist etwas Besonderes und jeder darf so sein wie er ist. Ich bin noch lange nicht am Ende meiner Reise zu mir selbst und dem achtsamen Umgang mit mir. Deshalb habe ich mir erlaubt bei Kathrin, zusammen mit vielen anderen tollen hochsensiblen Menschen einen Onlinekurs zu machen.


Ich kann jedem, der mit seiner Hochsensibilität kämpft, den Tipp geben, sich das Buch von Kathrin Borghoff "Hochsensibel Mama sein" zu besorgen, oder auf ihrer Facebook oder Instagram Seiten vorbeizuschauen. Es gibt so viele wertvolle Impulse.


Ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie mein Lebensweg weiter geht.

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