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  • Nadine Schmid

Warum es so ruhig war: Emotionale Achterbahn, Stress und die Auswirkung auf mein CRPS


An Silvester dachte ich noch gut, dass dieses so verrückte Jahr ein Ende hat. Das neue kann ja nur besser werden. Na ja kleiner Spoiler, so ganz hat das erst einmal nicht geklappt.


Der Januar startete zunächst so wie das alte geendet hatte. Ende des ersten Monats traf mich die Nachricht vom tragischen Tod einer Kollegin, die ich über Jahre beruflich begleitete, sehr hart. Schuldgefühle, mein sehr starkes Verantwortungsbewusstsein und der Wunsch zu helfen brachte mir sehr viel zusätzliche Arbeit ein. Ich hab sie gerne übernommen. Ich wollte für meine Kollegin die Dinge zu Ende führen und einen guten Abschluss schaffen. Das bedeutete sehr viel Verantwortung zu mir nehmen und somit liefen die Monate bis Mai nur so dahin. Homeschooling, Arbeiten in zwei Berufen, Therapien, Haushalt und Zeit mit dem Kind zu verbringen hieß im Umkehrschluss viel Organisation, Verständnis von meiner Familie und unbewusster Stress.


Ich war mir bewusst, dass mein CRPS das nicht gut finden wird, aber die Sache war mir einfach unheimlich wichtig und die der Glaube, das geht schon irgendwie, das muss einfach machbar sein, sehr groß. Na ja am Ende kam es wie ich es geahnt hatte. Mein Körper übernahm die Verantwortung für mich und zeigte, dass es so nicht mehr weiter geht. Mein CRPS verschlechterte sich, sodass mein Bein noch berührungsempfindlicher wurde und nicht einmal mehr den Stoff der Jeanshose duldete. Die Spastik in der Unterschenkelmuskulatur nahm zu und der Fuß drehte sich auf die Außenkante und die Schmerzen nahmen an Fahrt auf. Das war der Moment, in dem ich realisierte, dass es so nicht mehr geht. Ich entschied mich diesmal für mich und hörte nicht auf meinen Verstand, der mir versuchte zu sagen, dass es nicht geht. Nein es war an der Zeit auf mein Bauchgefühl zu hören und das sagte ganz klar "STOPP"!


Ich gab die Aufgaben ab an eine neue Kollegin. Ich schaffte es bis dahin alle Altlasten zu beseitigen, ihr die wichtigsten Dinge an die Hand zugegeben und verabschiedet mich. Mit diesem Abschied war zugleich ein Abschied an eine lange Zeit der Verbundenheit mit meinem alten Beruf als Einrichtungsleitung verbunden. Nach 6 Jahren war der Punkt gekommen die Vergangenheit loszulassen und einer Zeit, die mir viel Freude, Herausforderung, Tränen und Wachstum beschert hatte Lebewohl zusagen.

Diese Zeit ist der Grund, warum es hier so ruhig war. Viele Prozesse haben in mir stattgefunden, viele Herausforderungen gab es zu meistern. Immer an meiner Seite meine Herzensmenschen, die mich begleitet haben und mich in die richtige Richtung schubsten. Ich danke euch allen von ganzem Herzen.


Nachdem ich den Schlusspunkt Ende April gesetzt hatte und Ruhe einkehren durfte, besserte sich in klitze kleinen Schritten auch mein CRPS. Mittlerweile kann ich zeitweise wieder meine Jeans tolerieren (auch wenn sie um mein Knie herum sehr weit sein muss) und die Anspannung in der Muskulatur ließ ein klein wenig nach. Ich bin noch nicht wieder auf dem Level wie vor dem Januar und ich weiß auch nicht, wann und ob es wieder wird, aber immerhin hat die Notbremse gewirkt und es geht in die richtige Richtung. Stück für Stück.


Ich kann jedem nur aus meiner Erfahrung raten nicht immer seiner Kopfstimme, sprich seiner Vernunft zu folgen und sich davon leiten zu lassen. Es die Bauchstimme, die für DICH ist und das beste für DICH möchte, es lohnt sich ihr zuzuhören und zu vertrauen.

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